West-Eastern Divan Orchestra in der Berliner Philharmonie

Ein herrliches Konzert vor Ostern! Das West-Eastern Divan Orchestra ist ein „Kind“ des legendären Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim.

Zitat Wikipedia:

Zusammen mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gründete er 1999 das Orchester des West-östlichen Divans. Barenboim engagiert sich für eine Annäherung der verfeindeten Volksgruppen im Nahostkonflikt. Das Orchester setzt sich jeweils zur Hälfte aus jungen Musikern aus Israel sowie den palästinensischen Autonomiegebieten, Libanon, Ägypten, Syrien, Jordanien und Spanien zusammen. Im August 2005 spielte das Orchester ein vielbeachtetes Konzert in Ramallah, das in vielen Ländern live im Fernsehen übertragen wurde.

Auf dem Programm standen folgende Werke:

Claude Debussy
Prélude à l’après-midi d’un faune

Pierre Boulez
Dérive II

Maurice Ravel

Rapsodie espagnole
Alborada del gracioso
Pavane pour une infante défunte
Boléro

 

In dem bekannten Standardwerk von Debussy kam die besondere Transparenz des Orchesters zum Tragen. Das Stück des zeitgenössischen Komponisten (und Dirigenten) Boulez erforderte höchste Konzentration von den Zuhörern. Die Komposition ist avantgardistisch – für gelegentliche Kontertbesucher muss das Zuhören die Hölle sein; während der Aufführung des Werkes verließen auch einige Zuschauer den Saal.

In Dérive 2 untersucht Boulez kompositorisch sein Interesse für bestimmte musikalische Phänomene – hier geht es um das Verhältnis von Zeit und Rhythmus – in extrem systematischer Weise. Mit knapp 50 Minuten Spieldauer ist diese «Forschungsarbeit über die Periodizität», wie der Komponist Dérive 2 selbst bezeichnet, … Die komplexe Struktur der Partitur und das generell sehr hohe Spieltempo verlangen vom elfköpfigen Ensemble äusserste Konzentration und Virtuosität ab.“ (Zitat: http://www.ensembleproton.ch/)

Mit dem letzten Teil des Konzerts konnte man bestimmt nichts falsch machen. „Debussy geht immer!“, könnte man sagen. Aber es geht eben nicht immer so virtuos wie bei Barenboim. Auffällig: Barenboim lässt dem Orchester viel Freiheit. Nur bei Derive II zeigt er intensiven dirigierenden Einsatz. Meist steht er mit der linken Hand auf das Geländer des Dirigentenpults gestützt locker vor dem Orchester und lässt die Musik geschehen, was aber keinen Qualitätsverlust bedeutet (meiner Begleiterin sagte ich:“Der hat bestimmt Rücken.“). Boulez wird vom Maestro mit Verve und streng nach Noten dirigiert. Die anderen Stücke dirigiert er auswendig.

Am Schluss ist das Publikum aus dem Häuschen: eine Zugabe gibt es noch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.